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Baubiologie und Umweltmedizin in der ärztlichen Praxis

Die Umweltmediziner Dr.med. Annemarie und Dr.med. Hans-Joachim Petersohn im Gespräch mit dem Baubiologen und Journalisten Wolfgang Maes, Immer wieder Grenzen Wolfgang Maes: Herr Dr. Petersohn, Sie und Ihre Frau sind den Weg von der klassischen Schulmedizin zur Ganzheitsmedizin, Naturheilkunde und Umweltmedizin gegangen.
Sie legen in Ihrer Praxis beide besonderen Wert auf umweltbedingte Risiken.Was ist passiert?
 Dr. Hans-Joachim Petersohn: Im Rahmen der schulmedizinischen Ausbildungen stoßen wir Ärzte immer wieder an Grenzen. Die Schulmedizin hat bei vielen Krankheiten, speziell bei chronischen Entzündungen und chronischen Schmerzen, aber auch bei Krebs, zu wenig im diagnostischen und therapeutischen Bereich anzubieten. Die Ursachen werden weder erkannt noch bekämpft.
Standardtherapien zielen lediglich auf das bestehende Symptom.
Bei einer Darmentzündung gibt man Mittel wie Antibiotika oder Cortison; hilft das nicht weiter oder bilden sich Geschwüre, so bleibt meist nur die Chirurgie. Das habe ich als Schulmediziner in der Krankenhauschirurgie jahrelang praktiziert und sehr oft ein ungutes Gefühl gehabt. Ich spürte, dass Symptombehandlungen eine Bankrotterklärung der Medizin sind. Die wichtige Erkennung und Vermeidung von Ursachen war mir viel zu weit in den Hintergrund gerückt. Ich war fünf Jahre in der Chirurgie, habe versucht, Probleme mit dem Messer zu lösen, bin die Dinge also aus einer sehr einseitigen Sicht angegangen. Zwei Jahre war ich auf einer Krebsstation und erkannte das auch hier. Das rein mechanische Denken der Hindernisbeseitigung durch Herausschneiden des Tumors war zu stark ausgeprägt.



Es wurde nie danach gesucht, ob es auslösende Ursachen geben könnte,
wo sie zu finden sind und wie man sie beseitigen kann. Vernetzung der Disziplinen Diese Schiene konnte und wollte ich nicht konsequent weiter verfolgen. In unserem Denkkreis ist für den Magen und Darm der Internist und seine Disziplin zuständig, für den Wirbelsäulenbereich der Orthopäde, aber die Vernetzung der Disziplinen ist bei uns eher die Ausnahme. In diesem Bereich habe ich versucht weiterzukommen und habe nachgeforscht: Wie ist die Zusammensetzung der Stuhlflora? Wie sehen die Mineralstoffe und das Immunprofil aus? Wie die Entgiftung über Leber, Nieren und Darm? Wir haben regelmäßig den Säurewert des Darms analysiert und erfahren dass bei chronischen Rheumatikern und Schmerzpatienten ebenso regelmäßig Übersäuerung vorlag. Wir haben versucht ganzheitlich durch die gründliche Sanierung des Stoffwechsels diesen Patienten zu helfen. Denn Schmerzen sind letztendlich nichts anderes als chemische Vorgänge, bei denen Stoffwechselendprodukte also Schlackestoffe entstehen die der Körper entsorgen muss. Eigentlich ist es logisch dass man feststellt wie unser Körper mit diesen Schlackenstoffen umgeht.
Beseelt von dem Gedanken des Ganzheitlichen und auch durch den Kontakt mit der Baubiologie haben wir den Fächer der medizinischen Möglichkeiten noch ein gutes Stück weiter aufgespannt.

Unseren eigenen kranken Kindern wurde einst baubiologisch gut geholfen. Hierdurch wurden wir noch effektiver, Rezidive traten seltener auf, Therapien wirkten besser. Wir haben erfahren, dass es zeitlich bestimmte Rhythmen gibt. Patienten berichteten: Ich wache mitten in der Nacht auf und habe Rückenschmerzen. Und: Ich wache morgens auf und habe Kopfschmerzen. Oder ich fühle mich nur zu Hause immer schlecht, woanders dagegen nie.Wir haben angefangen auch die Baubiologie mit hinzuzuziehen, das heißt, wir haben Dinge abgefragt wie: "Schlafen sie auf einer Federkernmatratze? Gibt es Elektrogeräte, die sie am Kopfende des Bettes haben? Gibt es Biozide, Holzschutzmittel oder toxisch verdächtige Möbel? Was ist mit dem Teppich? Was mit Pilzbefall? Was mit anderen baubiologischen Risiken? Wir haben die baubiologische Hausuntersuchung mit hinzugenommen und bei jedem Verdacht eine Analyse der eigenen vier Wände, speziell des Schlafbereiches oder des Arbeitsplatzes empfohlen. Es gibt einige wenige besonders wichtige Säulen im Leben des Menschen, die entscheidend sind für Gesundheit oder Krankheit.Das sind an erster Stelle die Ernährung und die Umwelt.
Zahlreiche Beispiele zeigen unmissverständlich, dass wir in der Medizin um den Ganzheitsaspekt, besonders um die Umweltbelastungen in den Häusern der Patienten und die damit untrennbar zusammenhängende Baubiologie, nicht mehr herumkommen. Wir haben versucht, die baubiologischen Analysen und die hieraus gewonnenen Erkenntnisse zu systematisieren. Wir haben dabei erfahren, dass es neben den Luftschadstoffen, Pilzen und raumklimatischen Aspekten besonders die technischen bedingten elektrischen, magnetischen und elektromagnetischen Felder sind die eine Rolle spielen. Ein wichtiges Kriterium für solide baubiologische Untersuchungen ist die umfassende Begutachtung eines Raumes unter Berücksichtigung aller Risikofaktoren. Die einseitige Fixierung auf Umweltrisiken, die zur Zeit in Mode sind oder als wissenschaftlich akzeptiert gelten, sei es nun nur Formaldehyd oder nur Schimmelpilz, nur Asbest oder Elektrosmog...diese Einseitigkeit ist schlecht und eine Gefahr in sich.
Sonderdruck aus WOHNUNG+GESUNDHEIT
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